Die Entschlüsselung des Tassilo-Codes
Sendung · 2026
Der Tassilokelch ist nicht nur einer der größten Kunstschätze Österreichs, sondern auch eines der rätselhaftesten Objekte des Frühmittelalters. Er birgt zahlreiche Geheimnisse, Anagramme, versteckte Abbildungen von Tieren und ikonenhafte Darstellungen. Lange glaubte man, dass der bayerische Herzog Tassilo III. den Kelch dem Stift Kremsmünster anlässlich seiner Gründung im Jahr 777 gestiftet hatte. Pater Altman Pötsch, Kustos des Klosters, beschäftigt sich seit zehn Jahren mit dem Tassilokelch und hat erstaunliche Details entdeckt, die eine ganz neue Deutung zulassen. Für die "kreuz & quer"-Neuproduktion "Die Entschlüsselung des Tassilo -Codes" hat Martin Betz mit Pater Altman Pötsch gesprochen. Wie der Kelch von Salzburg nach Kremsmünster kam, warum er nur für Papstbesuche das Stift verlässt und wie er zur Zeit des Nationalsozialismus versteckt wurde, zeigt "kreuz & quer" am Dienstag, dem 27. Oktober 2026, um 22.35 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON im Gespräch mit Expertinnen und Experten. Die Inschrift des Kelchs – TASSILO DUX FORTIS und LIUTPIRC VIRGA REGALIS – beinhaltet nämlich ein Anagramm, dessen lateinischer Text darauf hindeutet, dass der Kelch ursprünglich nicht für Kremsmünster, sondern für Salzburg bestimmt war. Als CALIX SALUTARIS FIT VIRGILIUS S. RODPERGTO – so lautet der Text des Anagramms – dürfte er dem später heiliggesprochenen Salzburger Bischof Virgil gewidmet gewesen sein, der zu dieser Zeit in Salzburg einen Dom zu Ehren des heiligen Rupert errichten ließ. Das kostbare Objekt könnte als Messkelch für die neue Kathedrale gedacht gewesen sein. Auch ein Zahlenrätsel, ein Chronogramm, hat Pater Altman entdeckt. Ihm zufolge wurde der Kelch nicht 777, sondern erst im Jahr 781 gefertigt. Doch der "Gral von Kremsmünster" birgt noch viele weitere Geheimnisse. Eines davon ist die Frage, warum sich auf seinem Kupferkern und in den Silber- und Goldeinlagen Motive finden, die von Byzanz bis Irland reichen. Wie weitreichend waren die Beziehungen von Tassilos Hof? "Der Tassilokelch symbolisiert und fasst in sich eine ganze Epoche", sagt dazu der Kirchenhistoriker Thomas Prügl. Die Byzantinistin Claudia Rapp erkennt byzantinische Einflüsse vor allem in der Darstellung des Pantokrator-Christus. Auch die Marienfigur erinnert an byzantinische Vorbilder; ihre Darstellung gilt als die älteste nördlich der Alpen. Mariens geheimnisvoller Fingerzeig auf das "V" der Kelchinschrift gab Pater Altman Pötsch übrigens den entscheidenden Anstoß, das rätselhafte Anagramm zu entschlüsseln. Noch weitgehend ungeklärt ist die Frage, welche Bedeutung die Darstellung der 42 Fabeltiere auf dem Kelch hat. Ihre Ornamentik verweist auf den anglo-irischen Raum. Deshalb vermutet der Historiker John Blair von der Universität Oxford, dass sogar Handwerker von den Britischen Inseln an der Herstellung des Tassilokelchs beteiligt gewesen sein könnten. Eine weitere Spur führt nach Oberitalien, zur Gattin Tassilos, der Langobardenprinzessin Liutpirc. Das Flechtwerk auf dem Tassilok
Sendetermine
- Läuft in den nächsten Tagen nicht.